Wie ein Seil aus einer anderen Welt

„Wie ich zu dem Heft ‚Gute Worte für schwere Tage‘ gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall fand ich es in einer dunklen Nachtstunde voll innerer Unruhe in der Schublade meines Schreibtisches. Als Sozialarbeiter bin ich in meinem Alltag ständig mit schwierigen Situationen und tragischen Lebensschicksalen konfrontiert. Da stößt man regelmäßig an seine Grenzen: Trotz Supervision und ordentlichem sozialen Umfeld steht man permanent in der Gefahr, die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und innere rote Ampeln zu überfahren. Mich kostete dieser Raubbau an mir selbst meinen Glauben. Der Weg zum nächsten Gottesdienst war mir irgendwann einfach zu lang und zu kompliziert.

Allerdings kannte ich aus meiner Kindheit einen Glauben, dem ich manchmal etwas nachtrauerte. Einfach, lebenspraktisch und geprägt von Vertrauen und Gewissheit. Meine Großeltern hatten das so gelebt. Doch irgendwann war der Kinderglaube weg, und es gab nichts, was mir half, ‚erwachsen‘ zu werden. Ausgebrannt und in Panik fand Gott mich schließlich durch ein Stück Papier. Und so kam diese dunkle Nachstunde voller Angst und Selbstzweifel. Ich fand keinen Grund mehr unter den Füßen und wusste nicht, wie ich meiner Panik begegnen sollte. Da wurde mir das genannte Heft zur Rettung. An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, als seien die Worte wie für mich geschrieben: Sie waren wie frisches Wasser, das auf knochentrockenen Boden fiel. Eigentlich bin ich kein sentimentaler Mensch, aber in jener Nacht hatte ich den starken Eindruck, als würde mir ein Seil aus einer anderen Welt zugeworfen. Deshalb ging ich auf die Knie und dankte Gott mit ein paar ungehobelten Worten. Sofort spürte ich einen Frieden, wie ich ihn bis dahin nicht kannte. Irgendwie hatte ich den starken Eindruck: Gott ist da, und er hört nicht auf meine Worte, sondern auf mein Herz. Bis heute danke ich Gott jeden Tag für diesen Augenblick. So ist diese schlimme Nacht zu einem Wendepunkt in meinem Leben geworden.“

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